Industrie 4.0

Fluch oder Segen für die Schweiz?

«Digitalisierung gefährdet bis zu 100’000 Jobs» – war aus einer im November 2016 von KV Schweiz publizierten Studie zu erfahren. Welche Auswirkungen Digitalisierung und Robotik auf den Schweizer Arbeitsmarkt haben könnte, wollten auch die Konjunktur-Forschungsstelle KOF der ETH Zürich und die SRF Wirtschaftsredaktion wissen. Ihre Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild.

In der exklusiven Umfrage von KOF und SRF wurden Ökonomen aus Forschung und Lehre in der Schweiz zu möglichen Auswirkungen der vierten industriellen Revolution befragt. Die Studie sollte Aufschlüsse geben, wie Experten die derzeitigen Umbrüche in Verbindung mit der Revolution 4.0 beurteilen. Also: Welche Folgen haben Robotik und Digitalisierung für unsere Arbeitswelt? Wird die Arbeitslosigkeit steigen oder sinken? Und wie schneidet die Schweiz in der Industrie 4.0 ab?

Uneinig bei kurzfristigen Effekten

Uneinig sind sich die befragten Ökonomen, wenn es um die Fragen nach den kurzfristigen Auswirkungen der Digitalisierung und Automatisierung auf dem Arbeitsmarkt geht. Rund die Hälfte der Ökonomen spricht sich dafür aus, dass der vermehrte Einsatz von digitalen Technologien in absehbarer Zeit zu einschneidenden Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt führen wird. Die andere Hälfte steht dieser These mehrheitlich skeptisch gegenüber.

Diese Uneinigkeit der Ökonomen mag – so spekuliert die SRF Wirtschaftsredaktion – Spiegelbild der Verunsicherung in weiten Kreisen der Bevölkerung sein. Noch seien wohl die Verheissungen des Internets der Dinge, wie die Revolution 4.0 auch genannt wird, zu wenig fassbar.

Schweiz könnte zu den Gewinnern gehören

Hinsichtlich der langfristigen Auswirkungen sind sich die befragten Ökonomen eher einig. Etwas überraschend rechnet nur etwa ein Drittel der Befragten mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit in den Industrieländern. Weniger positiv beurteilen die Ökonomen die Effekte auf die Einkommensverteilung. Eine Mehrheit tendiert zur Ansicht, dass in den Industrieländern die Einkommensverteilung durch diese neuen Technologien ungleicher werden könnte.

Was könnte das für die Schweiz bedeuten? Insgesamt sehen die Ökonomen die Schweiz durch Industrie 4.0 eher auf der Gewinnerseite. Davon ist auch Jan-Egbert Sturm überzeugt, der Leiter Konjunktur-Forschungsstelle KOF ETH: «Die Schweiz ist ein Land, wo Innovation schon längere Zeit gross geschrieben wird, wo viele Leute sich schon relativ wohlfühlen, in einer Gesellschaft aktiv zu sein. Und das gibt uns eine gewisse Vorreiterrolle.»

Zur Mitteilung der KOF
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