Game time!

Game time

„Ob ich was?“ Martin meint, falsch verstanden zu haben: „Einen guten Arm habe?“ Sein neuer Chef, „just call me Rob“, nickt begeistert, sein Kopf wippt auf und ab, dazu bleckt er die Zähne, als wollte er Martin auffressen. Seine Gesten sind immer übertrieben, seine Stimme laut. Als würde er versuchen, sich durch eine dicke Glaswand hindurch verständlich zu machen. Oder als hätte er es mit Idioten zu tun. Martin kann sich nicht daran gewöhnen. Versuchsweise beugt er seinen Arm, fühlt seinen Bizeps durch den Jackenärmel.
„Gut genug, denke ich“, sagt er schliesslich. „Aber was heisst das schon?“
„Gut genug“, bestätigt Rob. „Ausserdem bist du gross. Damit ist es entschieden: Du spielst für uns!“
„Für wen spiele ich?“ Martin versteht nicht. Rob nimmt die Hände zu Hilfe und malt Kreise in die Luft.
„Na, für unsere Mannschaft. Jede Abteilung ihre eigene Mannschaft, das ist in dieser Firma Tradition. Wir sind die Pumas!“
„Die Pumas?“ Soll das ein Witz sein, denkt Martin, doch Rob meint es ernst.
„Wir trainieren jeden Dienstag und Donnerstag nach Feierabend unten im Fitnessraum, und am Wochenende finden dann die Turniere statt. Hier, ich hab dir den Spielplan schon rübergeschickt, du findest die Daten in deiner Agenda.“
Meine Agenda hat aber nur fünf Tage, denkt Martin. „Das Wochenende gehört eigentlich meiner Familie, da bin ich konsequent.“
„Aber sicher, die Familien sind dabei, die finden das immer grossartig, nach den Spielen essen wir immer zusammen, jeder bringt was fürs Picknick mit. Verstehst du, Martin, wir sind ja alle eine grosse Familie hier. Ich weiss, du bist hier neu, aber du wirst es schnell kapieren: Wenn du ein guter Mannschaftsspieler bist, kannst du es weit bringen. So was zählt hier!“
„OK.“ Martin hat tatsächlich immer recht gut Fussball gespielt. Leo, sein Mittlerer, auch. Ist vielleicht wirklich nicht so übel, denkt Martin. Vor allem in Verbindung mit einer schnellen Beförderung. Vorausgesetzt, seine Frau bringt ihn nicht um!
„Und Training – zweimal die Woche?“, vergewissert er sich.
„Absolut! Das Training ist fast noch wichtiger als die Spiele selber – da darf keiner fehlen, da entsteht diese Verbundenheit, weisst du, dieses Teamgefühl… Aber keine Angst, wir verpassen nichts, nur weil wir zweimal die Woche pünktlich abhauen – im Gegenteil, die besten Ideen entstehen oft nach dem Training, wenn wir noch zusammensitzen – das entwickelt sich oft zu einem echten Brainstorm! Wir haben ja immer den Laptop dabei.“
„Logisch.“ Martin schluckt. Sein Laptop ist zuhause.
„Natürlich geht es nicht in erster Linie ums Gewinnen“, fährt Rob fort. „Es geht um Zusammengehörigkeitsgefühl, gruppendynamische Prozesse, Teambildung, verstehst du?“ Er bewegt die Lippen so übertrieben, als lerne er das Sprechen erst. „Verstehst du? Es geht selbstverständlich darum, zu gewinnen! Hahaha!“ Er boxt Rob in den Arm, den er doch noch braucht. Moment, den Arm?
„Wir spielen Fussball, ja?“, vergewissert er sich.
„Wie kommst du denn darauf – Baseball natürlich!“

 

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