Hauswart Lüthy notiert: Frau Hostettler testet.

tbd_SVV_Hostettler

Frau Hostettler, Gebäude C, 3. Stock, hat die Sache mit dem Induktionsherd und den Pfannen, die zueinander passen müssen, nicht ganz begriffen und gibt sich auch sonst ahnungslos.
«Was für ein Magnet?», fragt sie.
«Der, den ich Ihnen gegeben habe beim Einzug. Damit können Sie Ihre Pfannen prüfen. Haftet der Magnet, geht es. Haftet er nicht, geht es nicht.»
«Sie haben mir keinen Magneten gegeben.»
Ich stöhne innerlich auf. Ich kenne das Spiel zur Genüge: Die Leute verlegen fröhlich ihre Schlüssel und behaupten, wenn sie wieder ausziehen, nur drei bekommen zu haben, nicht vier, und wenn man ihnen das Formular zeigt, auf dem sie den Empfang von vier Schlüsseln quittiert haben, beteuern sie empört, man habe damals einen Fehler gemacht.

Anstatt aber mit ihr zu diskutieren und sie darauf hinzuweisen, dass an ihrem Kühlschrank mehrere Magneten zu finden wären, fische ich ein neues Exemplar aus meiner Jackentasche und überreiche es Frau Hostettler, die daraufhin beginnt, unter lautem Geklapper all ihre Pfannen zu prüfen. Bei der ersten haftet der Magnet (hartes «Toc»), bei allen weiteren aber nicht (zartes «Pic»), was Frau Hostettler erst leise und dann immer lautere Flüche entlockt.

Währenddessen schaue ich aus dem raumhohen Fenster hinüber auf die beiden Gebäude A und B, die hell erleuchtet gegen die einbrechende Abenddämmerung antreten. Dazu tragen auch die Displays all der Smartphones, Tablets und Laptops bei, die überall in den Wohnungen zu sehen sind und mit denen die Menschen, die von der Arbeit heimgekehrt sind, diese offenbar fortsetzen, auf den Sofas und an den Tischen; viele haben immer noch ihre Schuhe an, und einer ist sogar mit seinem Computer auf der Toilette verschwunden. Wie wild tippen sie auf ihren Geräten herum, mit allen zehn Fingern auf den grossen und mit zwei Daumen auf den kleinen, während vor einigen von ihnen ein Kind steht, mit einer Puppe oder einem Bilderbuch in der Hand, und auf sie einredet.

Hinter mir geht Frau Hostettler nun aus rätselhaften Gründen dazu über, auch noch ihre Gratinform auf deren Magnetisierbarkeit zu untersuchen («Ding, ding»). Nach einer ausführlichen Beschwerde über den Unsinn, Kochherde zu verbauen, die den Mieter zwingen, neue Pfannen anzuschaffen, was sie vorträgt, als wäre ich für all das verantwortlich, entlässt sie mich in meinen eigenen Feierabend. Meine Frau empfängt mich, indem sie ein höhnisches Gesicht macht und mit einem Löffel von unten an ihre Pfanne «Toc, toc» macht.

Arbeitssucht PDF

Kolumne als PDF herunterladen

  • Share this on Google+
  • Share this on Linkedin
  • Share this on Xing