Hauswart Lüthy notiert: Lüthy postet.

In den vergangenen Wochen durfte ich Ihnen, meine verehrten Damen und Herren, fünf heitere Episoden aus meinem Dasein vorlegen. Nun fragen Sie sich womöglich, wie einer, der ständig Induktionsherde erklären, Lüftungsmotoren auswechseln und sich nebenher anhören muss, wie die Leute auf’s Übelste ihr Leben komplizieren, noch die Muse findet, über all das zu berichten.

Nun, diese Geschichten sind ein kleines Hobby von mir. Ich blogge seit etwa einem Jahr. Natürlich anonym – «Der Hauswart», heisse ich schlicht, und die Namen der Mieter sind alle geändert. Und wenn ich ein Foto poste, dann schaue ich, dass man darauf garantiert niemanden erkennt. Will ja keinen Ärger.

Aus dem Hobby ist allerdings mittlerweile schon fast ein eigener Job geworden. Seit letzter Woche hat meine Facebook-Page 1000 Fans, auf Twitter sind es auch bald so viele, und die Leute wollen halt jeden Tag was Neues sehen. Da kommt man manchmal ein bisschen unter Druck.

Zum Glück liefern mir meine Mieter aber immer ausreichend Material. Herr Niggli zum Beispiel, der Burn-out-Patient, ist nach nur zehn Tagen zuhause schon wieder in der Klinik gelandet, diesmal mit der Sanität. Ich habe heimlich fotografiert, wie sie den armen Kerl in die Ambulanz geschoben haben, und das Bild dann auf Facebook gepostet, mit einem kurzen Kommentar. Das gab dann einen richtigen kleinen Shitstorm. Das sei so ein typischer Manager, der sich systematisch ruiniere und seine Familie gleich mit dazu, schimpften die User einstimmig.

Ich likte jeden einzelnen Kommentar, über 150 waren es, bis mir auffiel, dass die Hälfte davon nach Mitternacht geschrieben wurde. Da war ich etwas perplex und fragte mich, ob mit diesen Leuten vielleicht was nicht stimme. Die gleiche Frage hörte ich allerdings kurz darauf aus dem Mund meiner Frau, die aufgewacht war, weil ich nicht neben ihr gelegen hatte. Es sei halb zwei, rief sie, ob ich noch zu retten sei. Während ich ihr zu erklären versuchte, dass man eine Facebook-Page pflegen müsse, meinte sie nur trocken, ich bräuchte mich nicht zu wundern, dass bei uns im Bett nichts mehr laufe, wenn ich mich lieber mit meinen Fans unterhalte als mit ihr.

Das hat mich ziemlich getroffen, und ich habe meine Community gefragt, was sie davon hielten. Das gab dann den zweiten Shitstorm, und der geriet so, dass ich ganz gern mit dem Niggli getauscht hätte.

 

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