Kleines Lexikon der Arbeit, Folge 5: Präsentismus, der

Experten wissen: Der Präsentismus verhält sich zur > Arbeitslosigkeit wie der > Absentismus zur > Vollbeschäftigung, nämlich umgekehrt proportional. Die > Arbeitsmedizin betrachtet den Präsentismus inzwischen als echte > Krankheit, während der Absentismus (daher der Name) sich oftmals gerade durch die Abwesenheit von Krankheiten auszeichnet.

Meistens geht der Präsentismus mit dem gesteigerten Gefühl der eigenen Unentbehrlichkeit einher. Dieses Gefühl täuscht jedoch meistens. Unbewusst ist dies freilich auch den > Arbeitnehmenden (umgspr. für > Arbeiter oder Angestellte) nur allzu bewusst, was ihren Präsentismus freilich nicht mildert, sondern eher noch verschärft. Man spricht dann von einem > Teufelskreis (lat.: > Circus Virtuosus).

Differentialdiagnostisch ist der Präsentismus insbesondere vom > Präsentatismus zu unterscheiden. Bei letzterem handelt es sich um einen exzessiven Einsatz von > Powerpoint-Folien (sog. > Präsentationen). Sowohl der Präsentatismus als auch der Präsentismus gelten als hochansteckend, nur bei letzterem allerdings können fachärztlich verschriebene häusliche Bettruhe in Kombination mit Essigsocken, kalten Wickeln und Antibiotika u.U. Remedur schaffen, während die Powerpoint-Sucht (umgspr. scherzhaft auch: Folien-Rauchen genannt) als chronisch und unheilbar gilt, leider aber in unserer Gesellschaft immer noch kein > Tabu darstellt. Die Minderung der gesamtwirtschaftlichen Produktivität durch Präsentatismus wie durch Präsentismus wird etwa gleich hoch eingeschätzt. Insbesondere in Betrieben mit Nachtschicht ist die Dunkelziffer immens.

In schweren Fällen kann der Präsentismus – insbesondere bei ärmeren Arbeitnehmenden (> poor working; umgspr. auch: working poor oder fachspr.: Arbeits- und Armutsbetroffene) – bis hin zur > Bi- oder sogar > Multilokalisation an zweien oder mehreren Arbeitsplätzen gesteigert auftreten.

Wie bei allen Gesundheitsproblemen ist auch beim Präsentismus die > Prävention das Heilmittel der ersten Wahl. Entgegen landläufiger Ansicht ist die blosse Anwesenheit am Arbeitsplatz für sich allein genommen noch kein Alarmsignal. Dazu wird sie allenfalls, wenn es sich bei dieser Anwesenheit um eine Art des > larvierten Absentismus handelt, die vielfach nur durch den geschulten Blick einer > Fachperson erkannt werden kann.

Die wichtigste Bedingung zur Vorbeugung von Präsentismus ist ein gutes > Arbeitsklima. Dieses sollte weder zu feucht noch zu trocken sein, die Temperaturen sollten 27 Grad möglichst nicht über- und 23 Grad nicht unterschreiten. Besonders bei zu niedrigen Temperaturen und starker Lufttrockenheit sind die Arbeitnehmenden schnell einmal verschnupft und werden ihrem > Arbeitgebenden zu Recht etwas husten. In solchen Fällen sollte man ihnen gestatten, sich möglich schnell zu absentieren.

 

 

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