Lebenszufriedenheit

Zeit oder Geld?

Vielen Menschen fehlt es heutzutage an Zeit. Andere wiederum haben zwar genügend Zeit, ihnen fehlt aber das nötige Geld. Was beeinträchtigt die Lebenszufriedenheit denn mehr: Zeit oder Geld?

Geld- und Zeitmangel machen ähnlich unzufrieden

Wissenschaftler der Leuphana Universität Lüneburg werteten für eine Studie Daten eines sozioökonomischen Panels aus: 20‘000 Teilnehmer aus ganz Deutschland machten bei diesem Panel unter anderem Angaben zu ihrem Einkommen sowie zu der Zeit, die sie täglich mit bestimmten Aufgaben verbringen. Ausserdem gaben sie zu Protokoll, wie sehr sie mit ihrem Leben zufrieden sind. Diese drei Parameter wurden zueinander in Beziehung gesetzt. «Zu wenig Zeit zu haben, beeinträchtigt die Lebenszufriedenheit ganz ähnlich, wie zu wenig Geld zu haben», fasst der Lüneburger Wirtschaftswissenschaftler Professor Dr. Joachim Merz seinen Kernbefund der Analyse zusammen.

Die Wissenschaftler schlagen daher einen neuen Armutsbegriff vor, der auch den Mangel an Freizeit berücksichtigt. Dr. Joachim Merz spricht von einer multidimensionalen Armutsdefinition (mit den Dimensionen Einkommen und Zeit). Nach ihr gelten 12,3 Prozent der Deutschen als arm – also fast doppelt so viele wie bei der auf das Einkommen fixierten Sichtweise.

Bildung schützt vor multidimensionaler Armut

Ein zweites wichtiges Ergebnis der Studie: Ein geringes Einkommen lässt sich zumindest teilweise mit viel Freizeit kompensieren – und umgekehrt. Wer viel Freizeit hat und nur wenig verdient, ist also im Schnitt ähnlich zufrieden wie jemand mit wenig Freizeit, aber einem hohen Einkommen.

Und noch ein Schluss lässt sich aus den Daten ziehen: Vor multidimensionaler Armut schützt, ähnlich wie vor Einkommens-Armut, am besten eine gute Ausbildung. Bei den Befragten mit Hochschulabschluss lag die multidimensionale Armuts-Quote besonders tief.


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Zur Studie der Universität Lüneburg